Freitag, 5. November 2010

Facebook erweitert Mobil-Plattform
(dpa)   04.11.2010, 16:29
San Francisco/Berlin. Das Online-Netzwerk Facebook will sich verstärkt auch auf den Mobiltelefonen seiner 500 Millionen Nutzer etablieren. Als Türöffner möchte Facebook zunächst die Schnäppchen-Jäger ködern.

Gründer Mark Zuckerberg kündigte einen neuen Dienst an, bei dem Firmen Sonderangebote und virtuelle Rabattmarken an Facebook-Mitglieder in ihrer Nähe verteilen können. Das Angebot mit dem Namen Facebook Deals startet zunächst allerdings nur in den USA.

Mit dem Schnäppchen-Service gibt Facebook seinen Nutzern einen Anreiz, das Netzwerk auch unterwegs zu nutzen. Das Angebot läuft über den Dienst Facebook Places, bei dem man sich an seinem aktuellen Ort «anmelden» kann. Schon bisher konnte ein Nutzer seinen Facebook- Freunden zeigen, wo er sich gerade aufhält. Branchen-Experten rechnen damit, dass das Deals-Angebot dem lokalen Dienst einen kräftigen Schub geben wird.

Die zunächst mehr als 20 Facebook-Partner überbieten sich zum Start mit Angeboten. So will die Modefirma GAP 10 000 Jeans an die ersten Facebook-Nutzer verschenken, die in ihren US-Läden «einchecken». Bei H&M gibt es 20 Prozent Rabatt. Bei Starbucks und McDonald's hingegen hat der Nutzer zunächst keinen Vorteil - aber die Unternehmen spenden jeweils einen Dollar pro Gast für wohltätige Zwecke. Die Firmen sehen dafür zum Beispiel, welche Nutzer sie zu welcher Zeit aufsuchen.

Zuckerberg dementierte am Mittwoch erneut Spekulationen, dass Facebook ein eigenes Mobiltelefon auf den Markt bringen wolle. Vielmehr bekräftigen die Ankündigungen die Strategie, Facebook auf allen gängigen mobilen Plattformen in eine starke Position zu bringen.

Zuckerbergs erklärtes Ziel ist es, mit Facebook alle Lebensbereiche zu vernetzen. «Egal, wo Sie sind oder was Sie tun, Sie sollen die Möglichkeit zur sozialen Interaktion haben», sagte Zuckerberg in einem Interview mit Journalisten nach der Präsentation.

Als einen Schritt in diese Richtung führt Facebook die Möglichkeit ein, mehrere Dienste - auch von Partnern - mit einer einzigen Facebook-Anmeldung zu nutzen.

«Soziale Netzwerke wandeln sich von Websites zu Plattformen», umriss «Computerwoche»-Redakteur Thomas Cloer den Trend. «Es ist ein natürlicher Schritt, dass Facebook das digitale Leben seiner Nutzer auf den mobilen Dienst überträgt.» Ob der mobile Facebook- Dienst auch in Deutschland abheben werde, sei allerdings fraglich. Obwohl die Deutschen zwar durchaus Schnäppchenjäger seien, würden sie bestimmte Informationen nur ungern bewusst preisgeben, sagte Cloer der dpa.

Zuckerberg Vernetzungs-Visionen gerieten in der Vergangenheit immer wieder unter Beschuss von Datenschützern - und gingen manchmal auch auch den Facebook-Nutzern zu weit. So musste Facebook nach nur kurzer Zeit sein Projekt Beacon stoppen, bei dem nach Freischaltung des Dienstes die Freunde eines Nutzers über dessen Einkäufe informiert wurden. Auch eine Änderung der Einstellungen zur Privatsphäre, mit der auf einen Schlag viele Informationen von Nutzern öffentlich sichtbar wurden, machte Facebook nach Protesten rückgängig. Seitdem führte das Netzwerk immer feinere Kontroll- Möglichkeiten für Einstellungen zur Privatsphäre ein.

Andererseits steht Facebook auch unter Druck, ein tragfähiges Geschäftsmodell aufzubauen. Investoren haben bereits mehrere hundert Millionen Dollar in das Netzwerk gesteckt und hoffen auf einen in relativ naher Zukunft erwarteten Börsengang. Laut Medienberichten macht Facebook rund eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr - vor allem mit Online-Werbung. Die Werbewirtschaft sieht ein großes Potenzial darin, Internet-Nutzer gezielt ausgehend aus ihren Interessen anzusprechen. Kürzlich kam heraus, dass einige Entwickler von Facebook-Spielen amerikanischen Werbedienstleistern halfen, Nutzer- Profile zu erstellen. Facebook unterband die Praxis umgehend.

Samstag, 9. Oktober 2010

Reinhard Mey - über den Wolken

Johann Peter Hebel


Der kluge Richter

Daß nicht alles so uneben sei, was im Morgenlande geschieht, das haben wir schon einmal gehört. Auch folgende Begebenheit soll sich daselbst zugetragen haben. Ein reicher Mann hatte eine beträchtliche Geldsumme, welche in ein Tuch eingenähet war, aus Unvorsichtigkeit verloren. Er machte daher seinen Verlust bekannt und bot, wie man zu tun pflegt, dem ehrlichen Finder eine Belohnung, und zwar von hundert Talern an. Da kam bald ein guter und ehrlicher Mann dahergegangen. "Dein Geld habe ich gefunden. Dies wird's wohl sein! So nimm dein Eigentum zurück!" So sprach er mit dem heitern Blick eines ehrlichen Mannes und eines guten Gewissens, und das war schön. Der andere machte auch ein fröhliches Gesicht, aber nur, weil er sein verloren geschätztes Geld wieder hatte. Denn wie es um seine Ehrlichkeit aussah, das wird sich bald zeigen. Er zählte das Geld und dachte unterdessen geschwinde nach, wie er den treuen Finder um seine versprochene Belohnung bringen könnte. "Guter Freund", sprach er hierauf, "es waren eigentlich 800 Taler in dem Tuch eingenäht. Ich finde aber nur noch 700 Taler. Ihr werdet also wohl eine Naht aufgetrennt und Eure 100 Taler Belohnung schon herausgenommen haben. Da habt Ihr wohl daran getan. Ich danke Euch." Das war nicht schön. Aber wir sind auch noch nicht am Ende. Ehrlich währt am längsten, und Unrecht schlägt seinen eigenen Herrn. Der ehrliche Finder, dem es weniger um die 100 Taler als um seine unbescholtene Rechtschaffenheit zu tun war, versicherte, daß er das Päcklein so gefunden habe, wie er es bringe, und es so bringe, wie er's gefunden habe. Am Ende kamen sie vor den Richter. Beide bestanden auch hier noch auf ihrer Behauptung, der eine, daß 800 Taler seien eingenäht gewesen, der. andere, daß er von dem Gefundenen nichts genommen und das Päcklein nicht versehrt habe. Da war guter Rat teuer. Aber der kluge Richter, der die Ehrlichkeit des einen und die schlechte Gesinnung des andern zum voraus zu kennen schien, griff die Sache so an: er ließ sich von beiden über das, was sie aussagten, eine feste und feierliche Versicherung geben und tat hierauf folgenden Ausspruch: "Demnach, und wenn der eine von euch 800 Taler verloren, der andere aber nur ein Päcklein mit 700 Talern gefunden hat, so kann auch das Geld des letztern nicht das nämliche sein, auf welches der erstere ein Recht hat. Du, ehrlicher Freund, nimmst also das Geld, welches du gefunden hast, wieder zurück und behältst es in guter Verwahrung, bis der kommt, welcher nur 700 Taler verloren hat. Und dir da weiß ich keinen andern Rat, als du geduldest dich, bis derjenige sich meldet, der deine 800 Taler findet." So sprach der Richter, und dabei blieb es.